RYCHENBERG
COMPETITION

International Composition Contest

Über die Competition

Im Juni 2018 lancierte das Musikkollegium Winterthur in Zusammenarbeit mit dem Fotomuseum Winterthur einen internationalen Kompositionswettbewerb. Insgesamt 191 Komponistinnen und Komponisten aus über 30 Länder haben sich für den Wettbewerb angemeldet und 85 davon Kompositionen eingereicht. Die Wettbewerbs-Jury unter dem Vorsitz des Schweizer Komponisten Alfred Zimmerlin hat zehn Kompositionen nominiert, die vom Musikkollegium Winterthur im August 2019 eingespielt und deren Aufnahmen dann für ein Publikumsvoting auf dieser Website veröffentlicht werden. Die Rychenberg Competition vergibt Preisgelder von insgesamt über CHF 100‘000.00.

Finalisten

Die Jury unter dem Vorsitz des Schweizer Komponisten Alfred Zimmerlin hat die vier nachstehenden Finalistinnen und Finalisten der Rychenberg Competition ausgewählt. Ihre Erläuterungen können Sie unten nachlesen und auch die Werke nochmals anhören. Im Anschluss an das Preisträgerkonzert am 12. Juni 2020 im Stadthaus Winterthur werden die Rangfolge bekannt gegeben und die Preise an die anwesenden Komponistinnen und Komponisten verliehen.

Die Finalistinnen und Finalisten in alphabetischer Reihenfolge (entspricht nicht der Rangfolge).

Cecilia Arditto Argentinien
Cecilia Arditto
Werktitel TISSUE
Fotoserie Wounds of violence

Begründung der Jury

Cecilia Arditto hat einen sehr eigenen Zugang zur Fotoserie «Wounds of Violence» von Adél Koleszár gefunden: In «Tissue» wird das um das zentrale Schlagzeug gruppierte Orchester akustisch und visuell zum Sinnesorgan «Haut», welches sensibel auf Verletzungen des Menschlichen reagiert und sie direkt in Klang übersetzt. Das Werk überzeugt durch seine aussergewöhnlichen Klangfindungen, die fein ausgehörte Dramaturgie und seine gleichsam geläuterte Klarheit, die alle Beteiligten an ein neues, anderes Hören heranführt.

Biografie

Die Argentinierin Cecilia Arditto (*1966) wurde in Buenos Aires geboren. Ihr Musikstudium absolvierte sie in ihrer Heimatstadt und schloss es anschliessend mit «cum laude» am Konservatorium in Amsterdam ab, wo sie seit 2002 auch lebt. Mehrere Preise und Stipendien wurden ihr zugesprochen, und ihre Werke wurden sowohl in Lateinamerika wie in den USA, in Asien und in Europa aufgeführt. Beispielsweise wurde ihr Stück «Música invisible para flauta» von über zwanzig Flötisten gespielt, und ihr neues Werk «Distancia de rescate» für 8 Violoncelli gelangt in der Saison 2018/19 durch drei verschiedene Cello-Oktette zur Aufführung. Gemeinsam mit dem holländischen Fotografen und Gitarristen Daniel Nicolas widmet sie sich Musikwerken in Verbindung mit visuellen Aspekten. Zudem arbeitet Cecilia Arditto seit 2018 auch als Bikram Yogalehrerin und gibt Unterricht in der ganzen Welt.

Foto: Daniel Nicolas

 

Musikkollegium Winterthur, Pierre-Alain Monot (Leitung)

Annachiara Gedda Italien
Annachiara Gedda
Werktitel Chasing Ice
Fotoserie Find a Way or Make One

Begründung der Jury

Hinter der Komposition «Chasing Ice» steht ein beeindruckender Gestaltungswille. Annachiara Gedda liess sich durch die Fotoserie «Find a Way or Make One» zu einer visionären Klanglandschaft inspirieren: Phantasievolle Details prägen die Textur, amorphe Strukturen werden durch feinziselierte Linien zu einem grossen Ganzen verbunden. Geddas Musik ist von eruptiver Energie getrieben, berührt aber auch mit einer verträumten Sensibilität und geheimnisvollen Schattierungen.

Biografie

Annachiara Gedda (*1986) stammt aus Turin, wo sie auch ihr Kompositionsstudium absolvierte und dieses im Jahr 2015 mit einem Master’s Degree abschloss. Anschliessend besuchte sie mehrere Meisterkurse, u.a. bei Luis Bacalov, Mauro Bonifacio, José Manuel López López und Tristan Murail. Sie ist Gewinnerin mehrerer nationaler und internationaler Kompositionswettbewerbe, und ihre Werke gelangten seither nicht nur in ihrer italienischen Heimat, sondern auch in den USA, in Deutschland, in der Schweiz, in Spanien, Finnland, Bosnien-Herzegowina sowie in Japan zur Aufführung. Mehrere von ihnen wurden von den Verlagshäusern Sconfinarte, Bèrben und Zedde sowie von der Universal Edition veröffentlicht.

 

Musikkollegium Winterthur, Thomas Zehetmair (Leitung)

Valerio Rossi Italien
Valerio Rossi
Werktitel ICE_one_h for chamber orchestra
Fotoserie Find a Way or Make One

Begründung der Jury

Valerio Rossis «ICE_one_h» ist eine Wanderung durch eine fremdartig-verführerische Natur- und Geisterwelt. Wechselnde Gestalten tauchen auf, magische und im Innern instabile Mischungen von Geräuschen und Klangfarben entstehen. Und trotz des heterogenen und schillernden Materials bildet Rossis Musik einen diskreten Sog, in den man sachte hineingezogen wird. Eine präzis gearbeitete Musik ohne Firlefanz, ohne Effekthascherei und ohne Auftrumpfen: ehrlich, zurückhaltend und persönlich.

Biografie

Valerio Rossi (*1959) stammt aus Mailand, wo er schon in jungen Jahren Klarinette lernte, sich parallel dazu das Saxophonspielen autodidaktisch beibrachte und sich zudem auch mit Kunst beschäftigte. Er spielte als Klarinettist in verschiedenen Jazzbands. Dann begann er ein Kompositionsstudium am Conservatorio di Milano Giuseppe Verdi. Während seines Kompositionsstudiums arbeitete er als Kopist für wichtige italienische und ausländische Verlage und im Archiv des Teatro alla Scala. Nach dem Diplomabschluss wurde er Preisträger bei mehreren Kompositionswettbewerben. Heute widmet sich Valerio Rossi zu gleichen Teilen dem Komponieren wie der Malerei, die er durchaus als äquivalente künstlerische Ausdrucksformen einschätzt ‒ auch wenn er dadurch in der heutigen Welt, die immer stärker nur auf Spezialisierung hin angelegt ist, nach seinem eigenen Dafürhalten vielleicht etwas «altertümlich» aussehen mag.

 

Musikkollegium Winterthur, Pierre-Alain Monot (Leitung)

Verena Weinmann Schweiz
Verena Weinmann
Werktitel Hills of Torreón
Fotoserie Wounds of violence

Begründung der Jury

Verena Weinmanns Komposition «Hills of Torreón» führt uns in eine Welt geheimnisvoller Schattenklänge, von denen sich ein dichtes Geflecht hell aufblitzender Obertonstrukturen abhebt. Das unruhige, von starker Innenspannung erfüllte Geschehen verwandelt sich zunehmend in einen dramatischen Klangstrom, der auf dem Höhepunkt abrupt gestoppt und hinterfragt wird. Eine mutige künstlerische Aussage und eine berührende Musik, die in Erinnerung bleibt.

Biografie

Die Komponistin und Aktivistin Verena Weinmann (*1994) stammt aus Frauenfeld. Schon als Kleinkind begann sie zu tanzen; mit zehn fing sie an, privat Klavierunterricht zu nehmen, den sie dann im Rahmen eines Vorstudiums am Konservatorium Winterthur intensivierte. Ihre erste Komposition entstand als Maturarbeit an der Kantonsschule Im Lee in Winterthur. Sie nahm mehrmals am «Young Composers Workshop» in Boswil teil. Zurzeit studiert sie Komposition bei Michel Roth an der Musikhochschule in Basel. Anfang 2015 begann sie sich zudem für Politik zu interessieren und schrieb einige Artikel für die Zeitschrift «Der Funke». Neben dem Studium spielt Verena Weinmann in der Latin-Rock-Band «Mondsucher» am Keyboard und unterrichtet privat Klavier und Musiktheorie. Ihre Kompositionen sind geprägt vom Bedürfnis, damit eine Verbindung zum aktuellen Weltgeschehen herzustellen und den beteiligten Interpreten Raum für eigene Kreativität zu lassen. Zudem interessiert sie sich stark für konzeptuelle Musik, Improvisation sowie die Integration elektronischer Instrumente und Geräte aus dem Rock in die zeitgenössische Musik.

Foto: Susanna Drescher

 

Musikkollegium Winterthur, Thomas Zehetmair (Leitung)

Publikumspreis

Auch Sie, verehrtes Publikum, haben gewählt! Mit 7114 Stimmen haben Sie dem Schweizer Komponisten Fabian Künzli den Publikumspreis zuerkannt. Über 3000 Personen haben weltweit am Publikums-Voting teilgenommen. Damit wurde ein wichtiges Ziel, den Wettbewerb international bekannt zu machen, erreicht. Wir danken Ihnen herzlich für Ihr Interesse und Ihre Teilnahme.

Fabian Künzli Schweiz
Fabian Künzli
Werktitel Die liegende Sanduhr
Fotoserie Find a Way or Make One

Kommentar des Komponisten

Mein Werk bezieht sich auf die Fotoserie «Find a Way or Make One» von Anastasia Mityukova. Darin betrachtet die Künstlerin einen fernen Ort, ohne selbst dort gewesen zu sein. Die Fotografien von Anastasia Mityukova zeigen gleichzeitig mehrere Wirklichkeiten. Diese Idee habe ich versucht auf die Musik zu übertragen, welche von geräuschhaft-amorph bis hin zu höchster struktureller Dichte reicht. Mustererkennung ist ein aktiver Prozess. Für die Rezeption eines Kunstwerkes wird im Bereich zwischen Musterlosigkeit (in der Akustik wäre dies das Rauschen) und Periodizität beziehungsweise Symmetrie ein gewisses Mittelmass an Entropie erwartet, ansonsten droht das Werk an Sinn und Reiz zu verlieren. Auch die Zeit, die «Wahrnehmungsgeschwindigkeit», spielt dabei eine wesentliche Rolle. Durch die Einspielung ergibt sich die einmalige Gelegenheit, die Andersartigkeit von Live-Aufführung und Aufnahme zu verstärken – das Werk wird in achtfacher Geschwindigkeit wiedergegeben. Durch die Stauchung der Musik via Time-Stretching werden nicht nur einzelne Strukturen unerkennbar gemacht, sondern ebenso neue Muster zugänglich.

Biografie

Der Schweizer Komponist Fabian Künzli (*1984) wuchs im Kanton Thurgau auf. Seit dem zehnten Lebensjahr spielt er Klarinette und wirkte in Orchestern sowie in diversen Bands mit (Rock, Big Band, Dixie, Klezmer). Als Dirigent war er mit verschiedenen Blasorchestern, aber auch mit kleineren Formationen für Filmmusik und andere Aufnahmen tätig. 2010 erlangte er an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) den «Master of Arts in Music» und schloss im Jahr 2012 das Masterstudium in Musiktheorie ab. Als Komponist arbeitete Fabian Künzli für mehrere namhafte Orchester wie das Musikkollegium Winterthur, die Camerata Zürich, das Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt sowie für verschiedene renommierte Kammerensembles. Ausserdem gewann er mehrere Preise an Kompositionswettbewerben, und im Jahr 2012 erhielt er von der Kulturstiftung Landis & Gyr ein Werksemester in London zugesprochen. Fabian Künzli war Composer-in-Residence der Orpheum Festtage 2013 in Zürich und unterrichtet nebenberuflich Musiktheorie an der ZHdK.

 

Musikkollegium Winterthur, Pierre-Alain Monot (Leitung)

Fotoserien

Wounds of Violence Adél Koleszár

Adél Koleszár,

*1986, Budapest/HU, lebt und arbeitet in Mexiko-City, adelka.tumblr.com

In der Serie Wounds of Violence geht Adél Koleszár der Frage nach, wie das Erleben von Gewalt die Gesellschaft und das Selbst formen. Die Fotografien kontrastieren unter anderem aufgedeckte illegale Massengräber mit der Landschaft Mexikos und den sichtbaren Narben des Missbrauchs vor allem bei Frauen.

Download ausführliche Beschriebe zu den Fotografien.

Eating Magma Elena Aya Bundurakis

Elena Aya Bundurakis

*1988, Iraklio/GR, lebt und arbeitet in Athen und Antwerpen, freethecelery.com

In der Serie Eating Magma geht es um Natur, Fauna und Flora, Muskelfleisch und Essen. Die Bilder zielen direkt auf die sensorische Wahrnehmung und lösen beim Betrachten unverzüglich verschiedene Sinneseindrücke aus. Form, Farbe, Fleisch und Körperlichkeit spielen in Bundurakis Werken eine wichtige Rolle und werden in einer nüchternen und gleichzeitig ambivalenten Art und Weise dargestellt.

Find a Way or Make One Anastasia Mityukova

Anastasia Mityukova

*1992, Genf/CH, lebt und arbeitet in Genf, anastasiamityukova.ch

Die Werke der Serie find a way or make one hinterfragen die stereotypische Sicht auf die Arktis und wie verschiedene Typologien von Bildern eine Landschaft formen. Mit Ansichten von Webcams, Überwachungskameras und Fotografien, die Mityukova auf dem Flohmarkt gefunden hat, kreiert sie eine eigene Betrachtungsweise dieses fernen Ortes, ohne je selbst vor Ort gewesen zu sein.

Download der Fotoserie inkl. Beschrieb.

Preisgelder

Die zehn für die erste Runde des Wettbewerbs (Einspielung) ausgewählten Komponistinnen und Komponisten erhalten einen Anerkennungspreis in der Höhe von CHF 1000.–. Die Komponistinnen und Komponisten der vier für das Preisträgerkonzert ausgewählten Werke erhalten folgende Preisgelder:

Erstplatziertes Werk CHF 40’000.–
Zweitplatziertes Werk CHF 25’000.–
Drittplatziertes Werk CHF 15’000.–
Sonderpreis der Jury CHF 5’000.–
Publikumspreis CHF 10’000.–

Timing

31.
August
2018

Anmeldefrist für den Wettbewerb

31.
März
2019

Abgabe der Partitur (5 Exemplare in Papierform)

30.
Juni
2019

Bekanntgabe der nominierten Beiträge (maximal zehn)

31.
Juli
2019

Abgabe der Orchesterstimmen und allfällig überarbeiteten Partitur

Ende
August
2019

Einspielung der nominierten Beiträge durch das Musikkollegium Winterthur

Oktober
2019

Die eingespielten Beiträge werden online gestellt für das Publikums-Voting

01.
März
2020

Ende des Publikums-Votings

31.
März
2020

Bekanntgabe der Nominierungen der Jury und des Publikums-Votings

09.
Juni
2020

Anreise der eingeladenen Komponistinnen und Komponisten nach Winterthur, Probenbeginn für das Preisträgerkonzert

12.
Juni
2020

Preisträgerkonzert in Winterthur

Hintergrund

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts prägte der Winterthurer Musikmäzen Werner Reinhart gemeinsam mit dem Dirigenten Hermann Scherchen die Geschicke des Musikkollegiums Winterthur wesentlich. Unter ihrer Ägide wurde Winterthur zu einem Zentrum der zeitgenössischen Musik, dessen Pulsschlag weit über die Schweizer Grenzen hinaus wahrnehmbar war. Komponisten wie Anton Webern, Arnold Schönberg, Igor Strawinsky oder Richard Strauss komponierten für und musizierten mit dem Musikkollegium Winterthur. Auch mittlerweile eher vergessene Künstler wie Heinrich Kaminski, Walter Braunfels oder Franz von Hoesslin genossen die Wertschätzung und Unterstützung Scherchens und Reinharts. Nicht nur Komponisten, auch Interpreten und Dirigenten von Weltruf kamen auf Einladung Reinharts nach Winterthur und logierten nicht selten bei ihm in der Villa Rychenberg, dem heutigen Sitz des Musikkollegiums Winterthur. 
An diese Zeiten knüpft das Musikkollegium Winterthur mit der „Rychenberg Competition“ an. Mit dem durch den Lotteriefonds des Kantons Zürich ermöglichten Wettbewerb will es Komponistinnen und Komponisten aus aller Welt nach Winterthur bringen und gleichzeitig den Ruf Winterthurs als innovativer Musikstadt in die Welt hinaustragen.

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Unsere Programmübersicht in chronologischer Reihenfolge

Ticketkasse +41 52 620 20 20 MO–FR, 9.00–12.00 / 14.00–17.00 Uhr